Trommel, Tanz und Trachten beim Damba- Festival

Eine Woche ist es jetzt her, dass in Nalerigu das alljährliche Damba- Festival wieder zu Ende ging. Für das Tanzfest, dessen Höhepunkt dieses Jahr glücklicherweise auf ein Sonntag viel, wurde eine ganze Woche lang jeden Abend geprobt, um ja auch allen Zuschauer, welche aus jeglichen umliegenden Regionen angereist waren, etwas bieten zu können. Wie auch das Feuerfestival ist dieses kein nationales Fest, sondern eine Tradition, die im Norden Ghanas verbreitet ist und zu Ehren des Königs gefeiert wird. In Nalerigu wurde dabei der König mit Gesang, Tanz und Trommeln geehrt und somit wurde es ein kunstvoller Tag. Ich durfte am Samstagabend einen kleinen Einblick in die Proben bekommen, war aber natürlich auch am Sonntag (allerdings nicht den ganzen Tag) am Start.

Am Samstag hätte eigentlich das Fest schon beginnen sollen, wurde aber auf Sonntag verschoben, da lieber noch eine Probe eingeschoben werden sollte. Trotzdem tummelten sich schon einige Zuschauer wie wir am Chiefpalast oder Tanzbegeisterte, wie zum Beispiel Suguris aus dem Feeding- Center, die die Trommelmusik ebenfalls genossen 😉. Ich hatte mir die Proben tatsächlich anders vorgestellt, vielleicht Tänzer, die eine Choreografie einstudieren würden, aber diese Art von Tanz glich mehr einem Gespräch zwischen den Trommlern und einem Tänzer. Vor jedem Tanz wurde der König von einem recht jungen Sänger mit einem bestimmten Sprechgesang angepriesen. Anschließend wurde Jemand aus dem Publikum der Tanzstab aus Holz und Pferdehaar übereicht, wie ich ihn jetzt einfach mal nennen würde…ich weiß nicht, ob er einen Namen besitzt. Damit bekam der Tänzer die Erlaubnis zum Tanz. Allerdings war dieser Jemand meistens kein Irgendjemand. Oftmals war es eine Person mit höherem Ansehen, beispielsweise Angehörige der Königsfamilie, gute Tänzer oder erschrockene „Sumingas“ wie Adi und William (könnte ja ganz amüsant werden 😉). Denn der folgende Tanz teilte sich in zwei Abschnitte. Beim ersten Mal, als der Tänzer in den Kreis der Zuschauer trat, wurde im von Menschen aus dem Publikum Geld überreicht, oder was man oft sah, an die Stirn gedrückt. Dieses Geld war allerding nicht für die Tänzer bestimmt, sondern für die Trommler, welche sich dieses im Nachhinein untereinander aufteilten. Das erklärt, warum die auserwählten Tänzer möglichst gut bei Publikum ankommen sollten. Ein guter Nebenverdienst für die Gruppe, die sowohl recht junge, als auch recht alte Mitglieder zählte. Man muss aber auch echt zugeben, es war sehr beeindruckend, wie gut die rund zwanzig Trommeln miteinander harmonierten, obwohl ich (mit gewisser Musikerfahrung) zum Teil nicht einmal den Rhythmus identifizieren konnte! Wenn dieser Teil abgeschlossen war, folgte der richtige Tanz, bei dem der Künstler quasi sein ganzes Können zeigen durfte und wie schon gesagt, wirkte es auf mich wie ein spielerisches Gespräch mit den Musikern, wobei man sich gegenseitig anfochte. Beeindruckend waren die schnellen Füße, die sich jeder rhythmischen Änderung anpassten und wenn dies gelegentlich durch einen „Spinn“ unterbrochen wurde, so flogen die Trachten so hoch, dass man meinen könnte, der Tänzer hebe gleich vom Boden ab (Jedoch war das an diesem Abend nur ein Vorgeschmack auf den folgenden Tag. Denn wie wir sehen konnten, war es bei einigen sehr beliebt, mehr denn nur eine Tracht übereinander anzuziehen (bei 37 Grad!) aber ich muss mir auch eingestehen, dass der Tanz dadurch einiges dazugewann). Wenn auch dieser Teil zu Ende ging, wurde einer neuen Person der Stab überreicht und nun wiederholte sich das Ganze.

Der folgende Tag sollte eigentlich schon am Morgen beginnen, mit den jungen Künstlern. William, der schon um acht am Start war, kam uns allerdings mit seinem Fahrrad entgegen und meinte, da liefe noch gar nichts und so beschlossen wir, erst am Nachmittag vorbeizuschauen (Ihre Vorführung fand tatsächlich noch statt- um 12 in der Mittagshitze 😃).

Was wir am Nachmittag mit Augen und Ohren bestaunen durften, kann man eigentlich nur schwer aufs Papier bringen. Selbst, wenn du dafür zwei bis drei Stunden in der prallen Sonne auf dem Steinboden verharren musst, muss folgendes nun ziemlich trocken wirken, in Angesicht dessen, dass der Beat der Trommeln fehlt, der deinen Körper erbeben lässt (ohne Spaß) und dich selbst gerne zum Tanzen verleiten möchte (dafür gibt´s noch ganz viele Bilder 😉):

Ein Junge vom Frisbee hatte mich gleich zu Beginn entdeckt und im Schlepptau führte er mich einmal rum ums ganze Geschehen, zu einer Stelle, wo man tatsächlich ein Blick aufs Geschehen hatte. Natürlich hatte ich für dieses Ereignis meine Digitalkamera eingesteckt, die normalerweise zu Hause in meinem Regal zurück bleibt, wegen des vielen Staubes. Kaum hatte ich die ausgepackt, stand ich auch schon mitten auf dem Platz, weil ich ja jetzt zu den „Fotographen“ gehörte😃(…Durch welches Wunder auch die Familie Haunt und Adi einen Platzt ganz vorne erbobert hatten, ist mir immer noch ein Rätsel). Im Prinzip lief vieles ähnlich ab wie am Abend zuvor, nur, dass die Trommler zu Beginn nicht nur den Chief, der gerade im Palast wohnt, anpries- Soweit ich mich erinnere, hieß es, dass in dem einstündigen Gesang keiner von seinen 600 Vorgängern vergessen wurde (aber ich lege jetzt keine Hand ins Feuer!). Es folgte der Kriegstanz, bei dem die selbstgebauten Pistolen nicht fehlen durften und als das Tanzen begann, gesellten sich Geiger zu den Musikern. Doch am beeindrucktesten waren auf jeden Fall die ganzen Tänzer in ihren Trachten, meistens angereiste Könige aus anderen Orten, wobei ich doch manchmal schmunzeln musste, wenn der ein oder andere seinem Outfit noch ein paar knallige Turnschuhe und eine stylische Sonnenbrille verpasste 😉. Nach ungefähr drei Stunden, kurz vor Sonnenuntergang, verließ der König den Festplatz, was aber noch keineswegs das Ende der Feier bedeutete- Getanzt wurde, bis die Sohlen ganz wund wurden und dies war, als der Morgen anbrach.

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