„Im Frühtau zu Bergen…“

… ging es am Samstag vor zwei Wochen. Und zwar auf den Berg, oder besser gesagt Hügel auf der anderen Seite des Flusses. Davor war ich mir eigentlich sicher, zu wissen, was es bedeutet, wenn man von verplant spricht (ich denke, du auch Jele), was schon dazu führte, dass man mit der Familie das ein oder andere Wanderabenteuer erleben durfte, aber das hier war schon nochmal spezieller 😉.

Samstagmorgen stehe ich um sechs Uhr auf, da wir um sieben Uhr aufbrechen wollen, um die Mittagshitze noch umgehen zu können. Also frühstücke ich, richte mir ein Vesper und bin um 7:45 Uhr eigentlich startbereit. Da noch ein wenig Zeit übrig ist, beschließe ich, Google Maps zu besichtigen, um mir unsere Route, die ich vor ein paar Wochen rausgesucht hatte, nochmal einmal vor Augen führen zu können. Als ich dafür mein Handy anschalte, brummt es zunächst- Eine Nachricht von Ebenecer. Er schrieb um 6:03: „ich bin jetzt fertig und ihr?“. Also schreibe ich ihm (eine dreiviertel Stunde) später zurück: „Nein. Beziehungsweise Ja, ich schon…aber Adi habe ich heute noch nicht gesichtet“. Es soll nur soviel gesagt sein: Der gute Herr wird um 7:15 eintreffen😉. Aber jetzt sind wir erstmal bei Google Maps, wo ich erfahre, dass ich mich beim letzten Mal verguckt haben muss, da die einzige mögliche Strecke 21 km umfasst, worauf man es vielleicht nicht gleich am Anfang anlegen sollte. Das ganze versetzt mich ein bisschen unter Stress, doch ziemlich schnell komme ich zu der Ansicht, dass die „Spitze“ des Berges ein Ziel ist, dass man auch ohne Karte nicht aus den Augen verliert und auch erreichen kann. Noch während ich über das Problem nachdenke, wacht Ephraim auf, dessen Zimmer gleich gegenüber von meinem liegt. Dieser scheint meinen gepackten Rucksack sofort gesehen zu haben, denn er riecht die Abenteuerlust. Und sofort steht er auch schon (noch im Schlafanzug) in meinem Zimmer und verkündigt sehr aufgeregt, dass er sich nur schnell andere Kleider anziehen würde…Halt, Stopp Ephraim- Ähm, deine Mutter ist noch nicht zu Hause, und die sollte das vielleicht wissen, dann isst du mir erst was, bevor es irgendwo hingeht (und drittens war ich mir nicht so sicher, ob wir mit einem siebenjährigen zum „Wandern“ kommen). Aber bis zur Entscheidung bleibt ja noch ein bisschen Zeit, denn wie schon gesagt, trifft Ebenecer erst um 7:15 ein, gleichzeitig mit Adi, der allerdings erst zum Frühstücken am Start ist. Bei der Frage, ob wir Ephraim mitnehmen könnten, bekommen wir von Baby schnell eine Antwort. Sie wüsste nicht, wie lange er laufen kann, aber sonst müssten wir ihn hald tragen; Letztes Mal hatten sie ihn anscheinend in den Rucksack gesteckt 😉. Da sich Ebenecer optimistisch zeigt, entschließen wir uns, ihn mitzunehmen (nach meiner Meinung nach, auf seine Verantwortung, seiner Meinung nach, auf unsere Verantwortung). Immerhin hatte sich der kleine gut gestärkt, denn irgendjemand kam noch auf die Idee, Porridge zu holen und letzen Endes eine Stunde später versammeln wir uns mit vier vollen Rucksäcken (darauf hatte ich bestanden…ohne Wasser wäre ich keinen Schritt gegangen) vor dem Haus. Es wird noch ein kleines Gruppenfoto gemacht und auf geht´s!

Auf dem Weg bestätigt sich meine Annahme, dass der Berg ein gutes Ziel ist, denn da es keine Bewaldung gibt, bleibt diesen immer im Blickfeld. Und so stellen wir sehr bald fest, dass uns der Weg zu weit gen Osten führen würde, was uns dazu veranlasst, unseren eigenen Weg zu gehen. Besser gesagt, zu grasen, denn nun geht es entlang an Feldern, ab durchs hüfthohe Grasgestrüpp. Ich habe schon wieder vergessen, meine lange Hose anzuziehen, aber dieses Mal scheine ich nicht von Moskitostichen übersät zu sein, was wahrscheinlich daran liegt, dass die Trockenzeit im Anmarsch ist. Ebenso ungeplant, hat sich unserer Mannschaft noch jemand anderes angeschlossen: Tom, unser vier Monate alter Hund. Für ihn ist es sicherlich auch der weiteste Tripp, den er zu Fuß von zu Hause aus unternommen hat, genau wie wir, nur dass es für ihn zu einer deutlich größeren körperlichen Herausforderung wird, wie wir sehr bald feststellen werden. Auf halber Höhe des Berges scheint der Arme am Ende seiner Kräfte zu sein und Adi erbarmt sich dem Tier, welches im Schatten eines Busches zusammengebrochen ist. Da allerdings auch Adi nicht den ganzen Weg einen Hund auf dem Arm tragen kann, beschließen wir oben angekommen, unseren ersten ausgedehnten Rast zu machen. Was dabei nicht fehlen darf, ist unser Brot mit Erdnussbutter, Wasser und nochmals Wasser sowie eine Fotokamera, denn die Aussicht ist atemberaubend: Ein Meer aus Bäumen und Felder, die in der Ferne zu einer immergrünen Fläche verschwimmen; Ortschaften, die im Radius von 360°sichtbar sind, kann ich an einer Hand abzählen.

Huch, aber was kommt denn da auf uns zugeflogen? Nee- oder?! Das ist doch nicht Williams Drohne? Doch, tatsächlich und wir erfahren von Adi, der gerade mit unserem Mentor über WhatsApp schreibt, dass dieser gerade vier Wanderer auf seinem Laptopbildschirm hat 😃. Nach einer guten Stunde, glaube ich beschließen wir weiter den Kamm entlang zu laufen, was zunächst problemlos funktioniert, da die Flächen zum Teil bewirtschaftet sind. Doch als wir den zweiten Hochpunkt erreichen, ändert sich der Bewuchs. Es wird struppiger und dichter, also nicht mehr ganz so angenehm, wenn man querfeldein laufen möchte. Daher beschließen wir, den Berg auf der anderen Seite abzusteigen, und an dessen Fußende gelangen glücklicherweise auf einen Farmweg, auf dem wir laut Google -Maps vorrausichtlich den Berg umrunden können. Das ist gut, denn zwei unserer Kameraden, gelangen so langsam an den Rand ihrer Kräfte. In der Zwischenzeit wurde unser Proviant umverteilt, sodass Tom nun mehr oder weniger freiwillig, jedoch zu schwach, um sich zu wehen, bei Adi hinten im Rucksack liegt, hängt oder sitzt (wie man es auch beschreiben möchte 😉). Und Ephraim bekommt das Pech ab, derjenige zu sein (es gibt eigentlich immer einen), der Blasen an den Füßen ertragen muss. Wobei ich mir das schon halb gedacht habe, denn der gute Herr hat nicht einmal Socken mitgenommen und als wir heute Morgen den Fluss durchquert haben, hat er nicht wie alle anderen die Schuhe ausgezogen- Nein, er ist mit seinen Sportschuhen knöcheltief durchs Wasser gewatet. Ich schlage vor, dass wir es barfuß probieren, da der Boden sandig ist. Es klappt, was die schmerzenden Blasen angeht, allerdings merken wir schnell, dass sich der Boden zu einer fast unerträgliche Temperatur aufgeheizt hat. Okey, Ephraim, du bekommst meine Socken, entschließe ich und hoffe, dass es nun endlich wieder ein bisschen schneller voran geht. Das tut es zum Glück auch, nur dass ich mich ein paar hundert Meter weiter dazu entschließe, wieder in meine Schuhe zu schlüpfen, da der Boden droht, mir meine Füße zu verbrennen. Und wie ich mir´s gedacht habe, meldet sich nach kurzer Zeit meine eigene Ferse zu Wort. Doch dann sind wir auch schon um den Berg herum, unser Ziel liegt im Blickfeld und gleich fühlt sich das Laufen wieder leichter an. Unten angekommen, werden erstmal die Füße im Fluss erfrischt, ebenso wie diverse andere Körperteile und ab geht´s ins Iceberg, denn eine erfrischende Fanta haben wir nun wirklich verdient 😉

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