Ein typischer Tagesablauf

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So sieht´s in meinem Zimmer aus…typisch ist der Ventilator, das Moskitonetz und die FEnsterscheiben
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Blick auf eine der 3 Hauptstraßen in Nalerigu
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Blick auf einen Hof in der Nähe von unserem Haus
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Bei der Fufuzubereitung
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Der Fluss wird von vielen zum Waschen genutzt
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Auch Ziegen bestimmen mit im Straßenverkehr
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Adi und ich vor einer Klippe nicht weit von Nalerigu entfernt
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Der MArkt: Bunt und voll
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Einer der vielen Straßenverkaufsstände mit leckerem Fleisch
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Ein Laden, in dem man wirklich alles findet außer Essen (Unterhosen, VEntilatoren, Handys, Fußbälle etc.)
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Ein Blick aus meinem Fenster

Hallo Leute 😀 Ich habe mal versucht, euch einen kleinen Einblick in meinen Alltag zu verschaffen, in dem ich einen fiktiven Tagesablauf nacherzählt habe… viel Spaß beim Lesen

Morgens:

Mein Wecker klingelt um acht Uhr. Obwohl ich schon eine halbe Stunde wach im Bett gelegen habe, stehe ich erst jetzt auf. Es ist mitten unter der Woche und trotzdem bin ich die erste am Frühstückstisch. Cate wuselt allerdings schon seit ungefähr zwei Stunden im Haus herum, die anderen Familienmitglieder liegen noch im Bett. Im Angebot haben wir süßes Teebrot- schmeckt wie Zopf- und dazu entweder Aufbrühcaffee, Wasserkaba oder Tee. Milch gibt es nur an manchen Tagen, Milchpulver oder eine Art dickflüssige Konservemilch ist aber meistens auf dem Tisch. Jep, das vermisse ich schon, das deutsche Frühstück! Aber ist nicht soo schlimm, da ich am Abend mal wieder nicht aufhören konnte zu essen, weshalb mir mein Magen immer noch Sättigungsgefühl signalisiert.

Vormittags:

Mein Vormittag bekommt so langsam eine Struktur. Da zurzeit Ferien sind und der Koch vom Feeding- Center im Urlaub ist, sind wir quasi unverpflichtet noch in der folgenden Woche. Die meisten raten uns, diese Zeit zu genießen, aber nach nun drei Wochen in Nalerigu gehen mir die Ideen aus, wie ich mich selbst beschäftigen kann. In Deutschland habe ich mich noch danach gesehnt, diese Freiheit zu haben, doch mittlerweile wünschte ich mir doch, es gäbe eine Aufgabe, die erledigt werden müsste. Nach dem Frühstück gehe ich also Joggen. Um diese Uhrzeit geht das noch erstaunlich gut und da man hier wunderbare Wege aus Sand und Erde hat, kann man das durchaus genießen. So erreiche ich drei Ziele: 1. Ein Ausgleich zum vielen Sitzen (die meisten Menschen lieben es hier zu sitzen, bzw. verssuchen es, dem Laufen so gut wie möglich auszuweichen. Das wird sichtbar an: Man fährt immer und überall mit dem Motorrad hin,  Sportaktivitäten sind nur schwer zu finden und du hast eine <50% Erfolgswahrscheinlichkeit, jemanden vor dem Fernseher zu finden), 2. Ich habe meine deutliche Gewichtszunahme wieder einigermaßen unter Kontrolle und 3. Ich schaffe dadurch Struktur in meinem Alltag!

Das geht allerdings nur, wenn es nicht regnet. Da wir uns gerade in der Regenzeit befinden, die bis Oktober/ November anhält, kommt dies nicht selten vor. Wenn dieser Fall eintritt hilft mir gerade nur das eine: Harry Potter lesen…oder Malen…oder Kochen…ja ok, oder Spülen ( Es ist schon komisch, auf was man sich alles freut, wenn man an Nichts- tun leidet 😃 )

Aber heute ist ein schöner Tag, also mache ich mein Sportprogramm und müsste vom physischen Aussehen her, danach nicht einmal mehr duschen 😃 aber dann hätte ich ja mehr Zeit zum Füllen…

Der Tag scheint mich heute wieder zu mögen, denn als ich anschließend das Wohnzimmer betrete, streckt mir ein dunkelhäutiger Mann mit einem strahlenden Lächeln seine Hand entgegen und fragt „Deniaola?“ (Wie geht es dir?), und gleich darauf, ob ich der Runde nicht Gesellschaft leisten will- Jaaa natürlich! Ich erfahre, dass es sich um einen „Bruder“ handle, wir diskutieren meinen Namen ( Gescha, das kann ich mir gut merken…da gibt es eine Seife, die heißt Geschia…)  und anschließend wird vieel gelacht. Meine Gesprächspartner über eine ultrakomische Story, die ich aber nicht verstehe, weil sie auf Mampuli reden und ich darüber, weil ihr Lachen verdammt ansteckend ist.

Mittags:

Zum Mittagessen es heute Nudelpfanne mit einem asiatischen Touch. Dies ist kein Hexenwerk für unsere Gastmutter Baby, welche ein weltumfassendes Gerichtereportoire besitzt. Eine Kleinigkeit für den hungrigen Magen, der dann abends das eigentliche Hauptessen serviert bekommt… wobei das nicht unbedingt eine Kleinigkeit zum Kochen ist, da unsere siebenköpfige Familie über die Ferien drei Verwandte aus der Northern Region beherbergt. Es gibt einige Gründe, warum Baby „Haushalt schmeißen“ als Job angeben kann. Einer davon ist, dass die Haustüre wortwörtlich für jeden geöffnet ist. Ich vermute, die meisten ghanaischen Familien sind ebenfalls offen und gastfreundlich aber das ist mir besonders aufgefallen am Familienleben. Jeden Tag gehen mindesten 10 Leute ein und aus, manche davon bleiben spontan zum Essen. Ein weiterer Grund ist, dass überwiegend die Frau den Haushalt führt. Ich habe Joseph bis jetzt weder in der Küche gesehen noch einen Besen halten sehen.

Nachmittags:

Da heute Markttag ist, ist dies eine gute Gelegenheit den Gemüsevorrat wieder aufzufüllen. Ich begleite Cate dorthin nicht nur, weil ich diesen bunten Ort liebe, sondern auch weil ich unbedingt eine Hose brauche. Die ghanaische Kleidungsordnung stimmt nicht ganz mit der deutschen überein, zumindest nicht die, der Frauen. Als nun potentiell heiratsfähig sollte man darauf achten, dass Knie möglichst bedeckt sind, um dumme Blicke zu vermeiden. Ich habe festgestellt, dass meine langen Hosen bei durchschnittlichen 28 Grad nicht ganz so komfortabel sind, wie die hier gängigen knielangen Hosen- versteht sich. Aber das ist kein Problem, denn man findet auf dem Markt eine gute gebrauchte für umgerechnet 2 Euro. Der Markt ist wie immer voll und eng und man findet hier alles, was man braucht: Natürlich Gemüse und Fleisch aber auch Schuhstände, Kleiderstände, Schmuckstände und nicht zu vergessen vieeeeeele Menschen zu quatschen. Unsere Mentoren William und Heidi meinen mit „ich gehe auf den Markt“ nicht „ich gehe einkaufen“ sondern „ich schau´ mal, wen ich von meinen Freunden heute treffe“. Auch mein Ausflug mit Cate wird von 30 min, die man in Deutschland dafür benötigen würde auf gute drei Stunden ausgeweitet. Auch ich, als Unbekannte werde gelegentlich in ein Gespräch involviert und nicht selten beginnt dies mit „Sominga- How are you?“ – Weiße, wie geht es dir?, oder „ Are you married? Do you want to marry me?“ – Willst du mich heiraten?. Ääääähm ja, das ist ghanaische Kultur, wie es James so schön gesagt hat.  Alles was man zum Leben auf dem Markt nicht findet, kann man theoretisch auf unserem Heimweg finden. Und damit meine ich Sofas (selbstgebaute), Möbel, Motorräder, Mobilemoney, Pflegeartikel und Elektrogeräte jeglicher Art. Also wirklich alles außer Tampons, Sonnencreme und Moskitospray 😉.

Abends:

Um fünf klopft es an meiner Zimmertüre. Baby bittet mich, ihr beim Kochen zu helfen. Zu viert stehen wir drei Stunden vor dem Abendessen in der Küche und beginnen, alle Zutaten zusammenzufügen. Ghanaisches Essen ist meistens aufwendig, da vor allem Beilagen wie Fufu oder Banku nicht als Fertiggerichte zu kaufen sind. Erst jetzt fällt mir auf, wie selten wir in Deutschland Spezialitäten selbst zubereiten,  wie beispielsweise Maultaschen oder Schupfnudeln. Ein ghanaisches Abendessen würde bei uns einem würdigen Weihnachtsgericht entsprechen.  Cate singt schon, als ich die Küche betrete. Es endet darin, dass wir „Joy to the world“ und „Felis navidat“ in Endlosschleife singen, da dies die einzigen Songs sind, die wir beide kennen. Nachdem das Tischgebet gesprochen wurde, wird die Soup verteilt. Gegessen wird mit der rechten Hand. Es ist scharf, meine Nase läuft aber es ist lecker.  Während dem Essen beginnen wir mit unserem  Mapuli- Deutsch- Unterricht. Das ist immer ziemlich spaßig, denn die einheimische Sprache fordert uns Deutsche mit ihren komischen Wortlauten heraus, die Ghanaer tun sich aber dafür  mit der Aussprache von ch, ö und ü schwer. Manchmal kommt  es sogar vor, dass der Umschalthebel zwischen deutsch und englisch nicht mehr funktioniert, was darin mündet, dass aus „where is Cate?“, mit dem ghanaischen Akzent zu „was geht?“ wird (-Denkpause- „Hä Baby, bist du dir sicher, was du da gerade sagst ?!)“ 😃. Obwohl ich am nächsten Morgen nicht früh aufstehen muss, liege ich auch heute schon um neun Uhr im Bett. Komischerweise bin ich zu dieser Zeit wieder müde, was denke ich daran liegt, dass es schon seit sieben stockdunkel ist. Ich überlege mir noch, ob ich morgen mit meiner Familie in die Kirche gehen soll. Eine Sache, auf die ich wirklich gespannt war, hat sich letzte Woche als naja schon enttäuschend entpuppt. Wir saßen drei Stunden im Gottesdienst und ich habe trotz englischer Sprache kein Wort von der Predigt  verstanden,  da das Mikrofon viel zu laut war (anscheinend sei das fast überall so). Und natürlich kannten wir die gesungenen Lieder nicht, weshalb ich nicht einmal die 30min Musik und Tanzen genießen konnte (die, die mich kennen wissen vielleicht,  dass ich Musik nur mag, wenn ich mitsingen kann).  Trotzdem wird der morgige Sonntag ein schöner Tag, da nachmittags immer ein offenes Frisbeespiel stattfindet und uns unsere Mentoren wie jeden Sonntag, abends zum Essen und Filmschauen eingeladen haben 😊 Zwar fühle ich mich super gut aufgehoben in meiner Gastfamilie, aber wenn man einmal in der Woche einen amerikanischen Film anschauen kann, vertrautes Essen auf dem Tisch und gleichgesinnte Leute zum quatschen hat, ist das zugegebenermaßen immer eine kleine Erholung 😉

2 Kommentare

  1. Liebe Gesche, super, dass du den Link geschickt hast! Und sooo.interessante Fotos! Bin sehr gespannt, wie es weitergeht. Fürs erste viele Grüße aus Ammerbuch von
    Elsbeth 🎶

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